Das Wichtigste in Kürze
- 80–90 % aller deutschen Altbauten sind grundsätzlich wärmepumpentauglich — entscheidend ist die Vorlauftemperatur unter 55 °C
- Drei Stellschrauben: Heizlast senken (Dämmung), Heizflächen vergrößern (Heizkörper-Tausch in 1–3 Räumen), hydraulisch abgleichen
- Kosten Altbau: 28.000–38.000 € brutto, nach Förderung Eigenanteil 8.500–19.000 €
- NICHT geeignet: völlig unsanierte Vorkriegsbauten mit Heizlast > 100 W/m² oder fehlender Möglichkeit, die Vorlauftemperatur zu senken
- Hybrid-Lösung (Wärmepumpe + Gas-Spitzenlast) ist eine valide Brücke — aber nur als Übergang, nicht als Dauerlösung
Geht eine Wärmepumpe im Altbau überhaupt?
Die Skepsis ist verständlich. Wärmepumpen wurden lange Zeit fast ausschließlich für Neubauten mit Fußbodenheizung beworben. Das Vorurteil „im Altbau geht das nicht" hält sich hartnäckig — und wird vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) seit Jahren mit harten Messdaten widerlegt.
Das Fraunhofer ISE hat zwischen 2018 und 2024 über 80 reale Wärmepumpen-Installationen in Bestandsgebäuden monitored — viele davon Baujahre 1960 bis 1985, also klassischer Sanierungs-Altbau. Ergebnis: Die mittlere Jahresarbeitszahl (JAZ) lag bei 3,1 für Luft-Wasser-Wärmepumpen, einzelne Objekte erreichten über 4,0. Auch in unsanierten Bauten mit hoher Heizlast funktionierten die Anlagen — wenn die Auslegung stimmte.
Die ehrliche Antwort lautet also: Ja, eine Wärmepumpe geht im Altbau — aber nicht ohne Vorbereitung. Drei Faktoren entscheiden darüber, ob die Anlage wirtschaftlich betrieben werden kann oder zum Stromfresser wird:
- Vorlauftemperatur — die wichtigste Kennzahl überhaupt
- Heizlast — wie viel Wärme braucht das Gebäude bei Normaußentemperatur?
- Heizflächen — sind Heizkörper oder Fußbodenheizung groß genug?
Die gute Nachricht: An allen drei Stellschrauben lässt sich drehen, ohne dass eine Komplett-Sanierung nötig wird. Welche Maßnahmen sich wirklich lohnen, entscheidet sich nach einer Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 — dieser Schritt ist ohnehin Pflicht für die BAFA-Förderung.
Vorlauftemperatur als Schlüssel: unter 55 °C ist machbar
Vorlauftemperatur ist die Temperatur, mit der das Heizungswasser aus dem Wärmeerzeuger in die Heizkörper strömt. Sie ist der mit Abstand wichtigste Wert für die Effizienz einer Wärmepumpe.
Faustregel: Pro 10 °C Vorlauf-Reduktion steigt die Effizienz um ~25 %
Eine Wärmepumpe mit 35 °C Vorlauf erreicht Jahresarbeitszahlen von 4,0–4,5 (Fußbodenheizung). Bei 55 °C sinkt der Wert auf etwa 3,0–3,5. Bei 65 °C nur noch 2,3–2,7 — wirtschaftlich grenzwertig.
Wer wissen will, ob seine Heizung wärmepumpentauglich ist, fährt die Heizungsregelung an einem kalten Tag (Außentemperatur unter 0 °C) so weit herunter, dass alle Räume gerade noch warm werden. Die abgelesene Vorlauftemperatur am Vorlauf-Thermometer ist die reale Auslegungsgröße. Liegt sie unter 55 °C — wunderbar, eine Wärmepumpe ist ohne Heizkörpertausch möglich. Zwischen 55 und 65 °C heißt: 1–3 Heizkörper austauschen oder eine bessere Dämmung der obersten Geschossdecke ergänzen. Über 65 °C: tiefere Sanierung nötig, oder Hybrid-Lösung wählen.
Was passiert physikalisch?
Eine Wärmepumpe „pumpt" Wärme von außen (Luft, Erdreich, Grundwasser) ins Haus. Je geringer der Temperaturunterschied zwischen Außen- und Vorlauftemperatur, desto weniger Strom braucht der Kompressor. Bei minus 5 °C Außenluft und 35 °C Vorlauf ist die Differenz 40 K — machbar mit guter Effizienz. Bei minus 5 °C Außenluft und 65 °C Vorlauf sind es 70 K, der Kompressor muss deutlich mehr arbeiten, und die JAZ fällt rapide.
Energetischer Sanierungsstand: Was muss gemacht werden?
Hier kommt die ehrliche Antwort, die viele Marketing-Broschüren weglassen: nicht jede Wärmepumpe-Installation im Altbau braucht eine Komplettsanierung. Aber je nach Sanierungsstand werden unterschiedliche Mindestmaßnahmen sinnvoll.
| Sanierungsstand | Heizlast typisch | Empfohlene Maßnahmen vor WP |
|---|---|---|
| Voll saniert (nach 2010) | 40–60 W/m² | Hydraulischer Abgleich, ggf. Vorlauftemperatur prüfen |
| Teilsaniert (Fenster + Dach) | 60–80 W/m² | 1–2 Heizkörper im kältesten Raum tauschen, Kellerdecke dämmen |
| Unsaniert, Bj. 1980–95 | 80–110 W/m² | Oberste Geschossdecke dämmen, Heizkörper-Tausch in 2–3 Räumen |
| Unsaniert, Bj. vor 1978 | 110–150 W/m² | Mindestens Dach + Kellerdecke dämmen, ggf. Hybrid prüfen |
Diese Werte sind Erfahrungswerte aus dem Fraunhofer-WPsmart-Projekt. Ein qualifizierter Energieberater liefert die konkreten Zahlen für dein Haus — dieser Schritt ist Pflicht für die BAFA-Förderung (Stichwort iSFP, individueller Sanierungsfahrplan), bringt aber ohnehin einen 5 %-Bonus auf den Förderbetrag.
Heizkörper-Tausch: notwendig oder nicht?
Eines der hartnäckigsten Vorurteile: „Ohne Fußbodenheizung läuft keine Wärmepumpe." Falsch. Auch klassische Heizkörper sind wärmepumpentauglich — solange sie groß genug sind.
Die Faustformel: Ein Plattenheizkörper Typ 22 (zwei Wasserplatten, zwei Konvektor-Bleche) liefert pro Quadratmeter Heizfläche bei 50 °C Vorlauf etwa 50–60 % seiner Nennleistung gegenüber 75 °C Auslegung. Heißt im Klartext: Wenn dein bestehender Heizkörper bei 75 °C Vorlauf 1.500 W liefert, kommen bei 50 °C nur noch ca. 800 W an. Reicht das für deinen Raum? Das entscheidet die raumweise Heizlastberechnung.
Welche Räume sind kritisch?
- Bäder mit hohen Temperaturanforderungen (24 °C Norm)
- Nach Norden ausgerichtete Schlafzimmer in Eckkonstruktionen
- Räume mit großen, schlecht gedämmten Außenwänden
In der Praxis reicht es meist, in 1–3 Räumen die Heizkörper gegen größere Niedertemperatur-Modelle (Typ 33 oder Spezialprofile) zu tauschen. Kosten pro Heizkörper: 500–1.200 € inkl. Einbau. Ein kompletter Austausch im ganzen Haus ist nur in Extremfällen nötig.
Praxis-Tipp: Hydraulischer Abgleich kommt vor dem Tausch
Vor jedem Heizkörper-Tausch sollte ein hydraulischer Abgleich nach Verfahren B gemacht werden. Oft zeigt sich dabei, dass ein Heizkörper nur deshalb „zu klein" wirkt, weil er falsch durchströmt wird. Der Abgleich kostet 600–1.200 € und ist BAFA-Pflicht.
Dämmung: Mindeststandard für rentablen Betrieb
Wärmepumpe und gute Dämmung sind ein Dreamteam — aber Dämmung muss nicht „komplett" sein, um sinnvoll zu wirken. Das Pareto-Prinzip gilt auch hier: 20 % der Maßnahmen bringen 80 % der Wirkung.
Die zwei Maßnahmen, die fast immer Sinn ergeben
- Oberste Geschossdecke dämmen (oder Dach, wenn das Dachgeschoss bewohnt ist): 18–24 cm Mineralwolle oder Zellulose-Einblasung. Kosten: 40–80 €/m². Reduziert Heizlast um 15–25 %. Förderfähig über BEG EM mit 15 % Zuschuss.
- Kellerdecke dämmen: 8–12 cm Mineralfaser oder EPS unter die Kellerdecke geschraubt. Kosten: 25–45 €/m². Reduziert Heizlast um 5–10 % und verbessert spürbar das Behaglichkeits-Empfinden im Erdgeschoss (kein Kaltluft-Schwall an den Füßen mehr).
Was kann warten?
Fenster und Fassadendämmung sind teuer und müssen nicht zwingend vor der Wärmepumpe gemacht werden. Eine moderne Dreifach-Verglasung (U-Wert 0,8 W/m²K) bringt zwar messbar etwas, aber im Verhältnis zu 8.000–18.000 € Investition pro Hausseite ist der Effekt auf die Wärmepumpen-Effizienz oft marginal. Vorhandene Doppelverglasung mit U-Wert um 1,3–1,6 W/m²K reicht meist aus.
Die teure Komplett-Sanierung kann man nach der Wärmepumpen-Installation in Etappen nachholen — die Anlage wird dann mit jedem Sanierungsschritt nur effizienter.
Nächster Schritt
Welche Maßnahmen sich für DEIN Haus rechnen, weiß ein Fachbetrieb
Lass dir kostenlos und unverbindlich von drei zertifizierten Wärmepumpen-Installateuren aus deiner Region beurteilen, ob dein Altbau heute schon WP-tauglich ist — oder welche eine bis drei Maßnahmen vorher den größten Hebel haben.
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Hybrid-Lösung (Gas + WP) als Brücke
In zwei Szenarien ist eine Hybrid-Anlage — also Wärmepumpe für die Grundlast plus bestehender Gas- oder Öl-Brennwertkessel für Spitzenlasten an den kältesten Tagen — die ehrlich beste Lösung:
- Die Gasheizung ist erst 8–12 Jahre alt und in gutem Zustand. Hier wäre ein Komplett-Tausch wirtschaftlicher Unsinn. Die Wärmepumpe übernimmt 70–80 % der Jahresarbeit, der Gaskessel springt nur an extremen Tagen ein.
- Sehr alter, kaum sanierbarer Bestand (z. B. denkmalgeschützte Gründerzeit-Häuser ohne Möglichkeit zur Außendämmung). Hier kann die Wärmepumpe die CO₂-Bilanz sofort um 60–70 % verbessern, ohne dass eine Komplettsanierung nötig wird.
Wichtig: Auch Hybrid-Anlagen sind über die BAFA förderfähig, aber nur dann, wenn die Wärmepumpe ≥ 65 % des Wärmebedarfs deckt. Reine „Bivalenz-Parallel" mit 50/50-Aufteilung fällt aus der Förderung.
Hybrid ist Brücke, nicht Ziel
Hybrid-Anlagen verbrennen weiterhin fossiles Gas oder Öl — und sind langfristig kein Weg, um aus der CO₂-Abgabe herauszukommen. Plane sie als 10–15-Jahre-Lösung, mit dem Ziel, in der Zwischenzeit das Gebäude soweit zu sanieren, dass die Wärmepumpe später allein arbeiten kann.
Kosten Altbau vs. Neubau
Eine Wärmepumpe im Altbau kostet typischerweise mehr als im Neubau — weil zusätzliche Anpassungen am Verteilsystem und am Gebäude nötig werden. Hier die realistischen Bandbreiten 2026:
| Posten | Neubau | Altbau (typisch) |
|---|---|---|
| Wärmepumpe Luft-Wasser inkl. Einbau | 22.000–28.000 € | 26.000–32.000 € |
| Heizkörper-Anpassung (1–3 Räume) | — | 1.500–4.000 € |
| Hydraulischer Abgleich | 400–600 € | 800–1.200 € |
| Dämmung Geschossdecke (optional) | — | 3.000–6.000 € |
| Brutto gesamt | 22.400–28.600 € | 28.300–43.200 € |
| Nach Förderung (50–70 %) | 6.700–14.300 € | 8.500–21.600 € |
Detaillierte Kostenaufschlüsselung pro Bauart und Heizleistung findest du in unserem großen Wärmepumpen-Kosten-Ratgeber. Dein konkretes Projekt kannst du im Heizkosten-Vergleichsrechner und im Amortisationsrechner durchspielen.
Förderung im Altbau
Im Altbau ist die staatliche Förderung 2026 besonders attraktiv: Während Neubauten über die BEG EM gar nicht förderfähig sind, erhalten Bestandsgebäude den vollen Zuschuss-Stack.
- Grundförderung 30 % — gilt für jeden Eigentümer eines mind. 5 Jahre alten Gebäudes
- Klimageschwindigkeitsbonus +20 % — beim Tausch einer ≥ 20 Jahre alten fossilen Heizung oder einer Ölheizung jeden Alters (häufigster Altbau-Fall!)
- Einkommensbonus +30 % — bei Haushaltseinkommen unter 40.000 € (relevant für viele Rentner-Haushalte)
- iSFP-Bonus +5 % — bei Vorlage eines individuellen Sanierungsfahrplans
Maximaler Zuschuss: 70 % auf förderfähige Kosten bis 30.000 € pro Wohneinheit — also bis zu 21.000 € Zuschuss. Genau das macht den Altbau-Tausch oft wirtschaftlicher als gedacht: Wer eine 25 Jahre alte Ölheizung tauscht, bekommt automatisch 50 % (Grundförderung + Klimabonus), ohne weitere Voraussetzungen.
Alle Förderbausteine, Antragsschritte und Stolperfallen findest du im Detail-Ratgeber Wärmepumpe Förderung 2026: BAFA + KfW komplett erklärt.
Drei reale Fallbeispiele
Theorie ist gut — Zahlen aus echten Häusern besser. Drei repräsentative Altbau-Konstellationen, wie sie unseren Lesern häufig begegnen:
Fall 1: Kleines Einfamilienhaus, Baujahr 1965
Ausgangslage: 130 m² Wohnfläche, freistehend, zweigeschossig. Ölheizung von 1998 (27 Jahre alt), 60 °C Vorlauftemperatur. Doppelverglasung von 2005, ungedämmtes Dach, ungedämmte Kellerdecke. Heizlast laut Energieberater: 8,5 kW (= 65 W/m²).
Empfohlene Maßnahmen: Oberste Geschossdecke dämmen (4.500 €), Heizkörper im Bad und im nordseitigen Schlafzimmer austauschen (1.800 €), 9-kW-Luft-Wasser-Wärmepumpe inkl. Pufferspeicher und hydraulischem Abgleich (28.500 €).
| Posten | Betrag |
|---|---|
| Brutto-Investition | 34.800 € |
| Förderfähig (max. 30.000 €) | 30.000 € |
| BAFA Grundförderung 30 % | 9.000 € |
| Klimabonus 20 % (Ölheizung) | 6.000 € |
| Eigenanteil nach Förderung | 19.800 € |
| Vorherige Heizkosten (Öl) | 2.400 €/Jahr |
| Neue Heizkosten (WP, JAZ 3,3) | 1.420 €/Jahr |
| Jährliche Ersparnis | 980 €/Jahr |
| Amortisation Eigenanteil | ~20 Jahre |
Fall 2: Reihenhaus, Baujahr 1985
Ausgangslage: 110 m², Mittelhaus in Reihe, dreigeschossig. Gas-Brennwertkessel von 2009 (16 Jahre), 55 °C Vorlauftemperatur. 2018 Dachgeschoss neu gedämmt, Fenster aus 2010 (Dreifach), Kellerdecke ungedämmt. Heizlast: 6,2 kW (= 56 W/m²).
Empfohlene Maßnahmen: Kellerdecke dämmen (2.800 €), hydraulischer Abgleich (900 €), keine Heizkörper-Tausche nötig (Vorlauf bereits unter 55 °C), 7-kW-Wärmepumpe (26.000 €).
| Posten | Betrag |
|---|---|
| Brutto-Investition | 29.700 € |
| Förderfähig (max. 30.000 €) | 29.700 € |
| BAFA Grundförderung 30 % | 8.910 € |
| Kein Klimabonus (Gasheizung < 20 J.) | 0 € |
| iSFP-Bonus 5 % | 1.485 € |
| Eigenanteil nach Förderung | 19.305 € |
| Vorherige Heizkosten (Gas) | 1.850 €/Jahr |
| Neue Heizkosten (WP, JAZ 3,8) | 1.040 €/Jahr |
| Jährliche Ersparnis | 810 €/Jahr |
| Amortisation Eigenanteil | ~24 Jahre |
Bei Fall 2 ist der Klimabonus nicht erreichbar, weil die Gasheizung erst 16 Jahre alt ist. Hier wäre ein Hybridbetrieb (Gas weiter laufen lassen, Wärmepumpe parallel) wirtschaftlich sinnvoll — bis die Gasheizung das Klimabonus-Alter von 20 Jahren erreicht und dann komplett rausfliegt.
Fall 3: Gründerzeit-Wohnung mit Gas-Etagenheizung
Ausgangslage: 95 m² Eigentumswohnung in einem Gründerzeit-Mehrfamilienhaus (Baujahr 1908). Gas-Etagentherme von 2012, 65 °C Vorlauftemperatur, alte Stahlheizkörper. Außenwände ungedämmt (Putz auf Vollziegel, Denkmalschutz), Holzkasten-Doppelfenster. Heizlast: 11 kW (= 116 W/m²).
Bewertung: Bei dieser Heizlast ist eine monovalente Wärmepumpe nicht wirtschaftlich darstellbar. Die erforderliche Vorlauftemperatur läge bei 70 °C+, die JAZ unter 2,5. Sinnvolle Alternativen:
- Hybrid-Anlage: 6-kW-Wärmepumpe (Außeneinheit am Balkon zulässig?) + bestehende Gastherme als Spitzenlast. WP-Anteil ~70 %. Brutto: 18.000 €, Förderung 50 % (Klimabonus ohne Heizungsalter-Limit für Eigentümergemeinschaft schwierig — Einzelfallprüfung). Eigenanteil ca. 9.000–12.000 €.
- Innendämmung + reine Wärmepumpe: Innendämmung der Außenwände (denkmalverträglich) reduziert Heizlast auf ~8 kW. Kosten: 12.000 €. Mit anschließender Wärmepumpe etwa 30.000 € zusätzlich. Förderung greift in voller Höhe. Eigenanteil insgesamt ca. 18.000–22.000 €. Wirtschaftlich, wenn Eigentum langfristig gehalten wird.
- Status quo + Klimaanlage zur Sommerkühlung: Ehrliche Option, wenn Verkauf in 5 Jahren geplant. Wärmepumpe würde sich für aktuellen Eigentümer nicht amortisieren.
Fall 3 zeigt: Bei sehr alten, ungedämmten Bauten ist die Wärmepumpe kein Selbstläufer. Hier ist ehrliche Beratung wichtiger als Marketing.
Häufige Fragen (FAQ)
Funktioniert eine Wärmepumpe wirklich im Altbau?
Ja, in den allermeisten Altbauten funktioniert eine Wärmepumpe — vorausgesetzt, die Vorlauftemperatur lässt sich auf unter 55 °C absenken. Das gelingt durch eine Kombination aus Dämmung der obersten Geschossdecke, dem Tausch zu kleiner Heizkörper und einem hydraulischen Abgleich. Praxis-Studien des Fraunhofer ISE zeigen Jahresarbeitszahlen zwischen 2,8 und 3,8 selbst in unsanierten Bauten der 1960er bis 1980er Jahre.
Welche Vorlauftemperatur braucht ein Altbau für eine Wärmepumpe?
Wirtschaftlich sinnvoll wird eine Wärmepumpe ab einer maximalen Vorlauftemperatur von 55 °C bei Norm-Außentemperatur. Optimal sind 35–45 °C. Liegt deine bisherige Heizung dauerhaft über 60 °C, müssen entweder Heizkörper getauscht oder das Gebäude besser gedämmt werden — sonst sinkt die Jahresarbeitszahl unter 3,0 und die Stromkosten steigen deutlich.
Müssen im Altbau immer alle Heizkörper getauscht werden?
Nein, in der Regel reichen 1–3 strategisch gewählte Tauschvorgänge. Geprüft werden die kältesten Räume (typischerweise nach Norden ausgerichtete Schlafzimmer und Bäder). Hier kommen Niedertemperatur-Heizkörper oder leistungsstärkere Typ-22- oder Typ-33-Modelle zum Einsatz. Komplett-Austausch ist selten nötig.
Wann lohnt sich eine Wärmepumpe im Altbau NICHT?
Eine Wärmepumpe ist nicht sinnvoll, wenn das Gebäude eine Heizlast über 100 W/m² hat (typisch für völlig unsanierte Vorkriegsbauten ohne jede Dämmung), wenn die maximale Vorlauftemperatur nicht unter 60 °C abgesenkt werden kann oder wenn der Stromanschluss nicht ausreicht. In solchen Fällen ist eine Hybrid-Lösung oder zunächst die energetische Sanierung der bessere Weg.
Wie viel Dämmung muss vor dem Wärmepumpen-Einbau gemacht werden?
Mindeststandard für einen rentablen Wärmepumpen-Betrieb im Altbau: gedämmte oberste Geschossdecke (oder Dach) sowie Kellerdecke. Diese beiden Maßnahmen senken die Heizlast oft um 20–30 % bei moderaten Kosten (3.000–8.000 €). Fenster und Fassade sind teurer und müssen nicht zwingend vorher gemacht werden — die Wärmepumpe läuft auch mit Doppelverglasung effizient, solange die Vorlauftemperatur stimmt.
Was kostet eine Wärmepumpe im Altbau im Vergleich zum Neubau?
Im Altbau kostet eine Luft-Wasser-Wärmepumpe inkl. Einbau und Anpassungen typisch 28.000–38.000 € (gegenüber 22.000–28.000 € im Neubau). Der Aufpreis kommt durch nötige Heizkörper-Anpassungen, eventuelle Dämmmaßnahmen und längere Installationszeiten. Nach BAFA-Förderung von 50–70 % bleiben Eigenkosten von rund 8.500–19.000 €.
Lohnt sich eine Hybrid-Heizung als Brücke?
Ja, in zwei Szenarien: Wenn die Gasheizung erst 8–12 Jahre alt ist und nicht ersetzt werden soll, kann eine Wärmepumpe als Bivalenz-Anlage 70–80 % des Wärmebedarfs übernehmen. Zweites Szenario: bei sehr alten Bauten mit kurzfristig nicht möglicher Sanierung — so lässt sich der Großteil der CO₂-Last sofort senken. Förderfähig über BAFA, allerdings nur Hybrid-Anlagen mit ≥ 65 % erneuerbarem Anteil.
Fazit: Altbau und Wärmepumpe — meistens ja, aber mit Vorbereitung
Die Wärmepumpe im Altbau ist kein Glücksspiel mehr, sondern gut planbare Technik — wenn die drei Schlüsselgrößen stimmen: Vorlauftemperatur unter 55 °C, Heizlast unter 100 W/m², ausreichend dimensionierte Heizflächen. Die meisten Bestandsgebäude in Deutschland erfüllen diese Voraussetzungen entweder direkt oder mit moderaten Vorbereitungsmaßnahmen (1–3 Heizkörper, Geschossdecke dämmen, hydraulischer Abgleich).
Ehrlich bleibt aber auch: In etwa 10–15 % der Fälle — unsanierte Vorkriegsbauten, sehr große Altbau-Villen mit Denkmalschutz, ungünstige Eigentümer-Konstellationen — ist die monovalente Wärmepumpe wirtschaftlich nicht der richtige Weg. Hier sind Hybrid-Lösungen oder ein anderes Heizsystem die ehrlichere Antwort.
Welcher Weg für dein Haus sinnvoll ist, lässt sich nur nach einer fundierten Heizlastberechnung und einem Vor-Ort-Termin beurteilen. Das ist Pflichtbestandteil jeder seriösen Planung — und ohnehin Voraussetzung für die BAFA-Förderung.
Nächster Schritt
Drei Fachbetriebe — drei Einschätzungen für deinen Altbau
Lass dir kostenlos und unverbindlich von drei zertifizierten Wärmepumpen-Installateuren aus deiner Region einschätzen, ob und wie eine Wärmepumpe in deinem Altbau funktioniert. Inklusive grober Kostenrahmen und Förderpotenzial.
- Drei Angebote zum Vergleichen — keine Entscheidung unter Druck.
- Fachbetriebe mit BAFA-Erfahrung — Antrag & Förderabwicklung inklusive.
- 100 % kostenlos — finanziert über Vermittlungsprovision*.
Bevor du loslegst, lohnt der Blick in die Rechner: die richtige Anlagengröße bestimmen, die Heizkosten vergleichen und den Break-even mit Förderung berechnen.